
Nietzsches philosophisches System dreht sich um drei Hauptsäulen:
- Gott und Religion
- Die Natur des Menschen
- Die Bedeutung von Gut und Böse sowie der Sinn des Lebens
Eines der bedeutendsten philosophischen Werke Friedrich Nietzsches ist Also sprach Zarathustra. In diesem Buch nutzt Nietzsche die Figur Zarathustra und stellt eine faszinierende Verbindung zwischen ihm und dem Zarathustra der Iraner her. Dieser Artikel untersucht diese Verbindung sowie Nietzsches philosophisches Konzept.
Zarathustra und das Konzept von Gut und Böse
Zarathustra, ein Prophet, der tausend Jahre vor Christus lebte, wird von einigen Historikern als Begründer des Konzepts von Gut und Böse angesehen. In Zarathustras Weltanschauung existieren keine verschiedenen Götter wie der Kriegsgott, der Meeresgott, der Weisheitsgott oder der Lichtgott. Stattdessen sind all diese Kräfte in zwei gegensätzlichen Wesen verkörpert: Ahura Mazda (das absolute Gute) und Ahriman (das absolute Böse). Alle Phänomene resultieren aus dem Kampf zwischen diesen beiden Mächten.
Nietzsche greift diese Perspektive auf und stellt sich Zarathustra in seinem Buch so vor, als ob er nach tausenden Jahren der Einsamkeit auf einem Berg über den Sinn des Lebens nachgedacht und neue Wahrheiten entdeckt habe. Zarathustra fühlt sich verpflichtet, in die Stadt zurückzukehren und diese Wahrheiten mit den Menschen zu teilen.

Nietzsches Kritik an traditionellen Konzepten von Gut und Böse
Nietzsche ist der Ansicht, dass die Religionen und Traditionen nach Zarathustra das Konzept von Gut und Böse so verändert haben, dass sie den menschlichen Geist in Ketten gelegt haben. Zarathustra hatte Gut und Böse ursprünglich nicht als absolute Werte definiert, sondern den Menschen die Freiheit gegeben, selbst nach guten Gedanken, guten Worten und guten Taten zu urteilen. Nietzsche argumentiert, dass sich die Menschen von diesen Fesseln befreien und sich in Richtung eines Konzepts bewegen müssen, das er den „Übermenschen“ nennt.
Als Zarathustra vom Berg herabsteigt und die versammelten Menschen sieht, nutzt er die Gelegenheit, um zu ihnen zu sprechen. Er führt das Konzept des Übermenschen ein und fordert die Menschen auf, sich von den Traditionen und Ideologien zu befreien, die das Konzept von Gut und Böse für sie definiert haben. Der Mensch soll sich aus der Knechtschaft befreien und zum Übermenschen werden. Doch als Zarathustra seine Rede beendet, lachen die Menschen. Sie verstehen seine Worte nicht und halten sie für eine komödiantische Darbietung.
Die drei Verwandlungen des Geistes nach Nietzsche
Nietzsche beschreibt drei Stufen, die ein Mensch durchlaufen muss, um den Übermenschen zu erreichen:
1. Die Phase des Kamels
In dieser Phase ist der Mensch wie ein Kamel, das die schweren Lasten von Glaubenssätzen und Traditionen trägt, die ihm seit seiner Kindheit auferlegt wurden. Er folgt einem vorgegebenen Weg und akzeptiert Bedeutungen, die andere für ihn definiert haben. Viele Menschen bleiben ihr ganzes Leben lang in dieser Phase.
2. Die Phase des Löwen
In dieser Phase wird der Mensch wie ein Löwe, der seine Ketten sprengt. Er stellt alle auferlegten Glaubenssätze und Traditionen infrage und bricht zum ersten Mal in seinem Leben mit Normen. In dieser Phase wirft der Mensch alle Lasten ab, wird leicht und frei. Diese Phase geht oft mit einer Erfahrung des Nihilismus einher, doch Nietzsche betont, dass der Nihilismus nicht das Endziel ist, sondern lediglich eine notwendige Übergangsphase.
3. Die Phase des Kindes
In der dritten Phase wird der Mensch wie ein Kind, das eine Wiedergeburt erlebt. Er sieht sein Leben als eine leere Leinwand, auf der er selbst seinen Weg und seine Ziele zeichnen muss. In dieser Phase verfolgt der Mensch mit Begeisterung seine Ziele und verwirklicht sein gesamtes Potenzial.
Fazit: Nietzsches Philosophie und das Leben
Viele Menschen leben ihr ganzes Leben wie ein Kamel, sind zufrieden und fühlen sich glücklich. Doch zwischen zwei Menschen, die sich glücklich fühlen, ist einer glücklicher als der andere. Derjenige, der nach harter Arbeit und Mühe stolz auf der Spitze steht, erlebt ein anderes Glück als derjenige, der auf der Couch liegt und fern sieht.
Nietzsches Philosophie verwandelt den Menschen vom Kamel zum Löwen und führt ihn zum Nihilismus, bevor sie ihn in eine Phase der Wiedergeburt leitet. In dieser Phase definiert der Mensch den Sinn seines Lebens, setzt sich eigene Ziele und entwirft seinen Lebensplan.
Nietzsches Philosophie verneint das Leben nicht, sondern ermutigt den Menschen, das Leben zu umarmen und jeden Moment davon zu genießen. Er glaubt, dass der Mensch Schwierigkeiten überwinden, auferlegte Glaubenssätze überwinden und den Sinn seines Lebens selbst definieren muss. Diese Reise führt letztlich zur Schaffung des Übermenschen – eines Menschen, der stolz auf der Spitze steht und die beste Version seiner selbst verwirklicht hat.